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Myths

Netflix und Twitter nutzen die Vorteile und auch REWE setzt auf sie: Microservices sind im Einzelhandel und somit im Kreis der DAX Unternehmen angekommen. Der Bedarf an flexibler IT im E-Commerce ist da, doch Entscheider zweifeln - zu Unrecht. Jan Herrmann, Senior E-Commerce Consultant bei der Berliner Digitalagentur Neofonie, über die drei größten Mythen rund um Microservices:

Mythos 1: Microservices sind reines IT-Thema

CIOs, CTOs und Entwicklerteams befassen sich schon lange mit Microservices. Doch speziell aus strategischer Sicht ist der Einsatz für Konzernlenker und Manager spannend: Die Komponenten Ownership, Design4Change, und Bestimmung des Software-Lebenszyklus sind drei strategische Mehrwerte von Microservices. Microservices richten sich an Unternehmen, die verstanden haben, dass Technik nicht mehr bloßes Mittel zum Zweck ist, sondern ein wichtiger Teil der Firmenkultur und der E-Commerce-Strategie. Sehr spannend ist, wie das Thema in der OTTO Group gelebt wird, denn in seiner reinen Form bedeutet eine auf Microservices basierende Software-Architektur auch einen Kulturwandel in der Art und Weise wie Organisationen und IT-Teams aufgestellt werden und wie Geschäftsmodelle entwickelt werden. Bei der Code Talks Commerce Special Konferenz 2017 in Berlin gaben u.a. die Macher hinter otto.de, sowie die OTTO Töchter Project Collins, der bekannte Operative VC der OTTO Group Project A Einblicke darin, wie man 2017 große E-Commerce Plattformen bauen und betreiben sollte. About You (Project Collins) hat 2016 seinen Umsatz auf 137 Millionen Euro verdoppelt, Contorion, eine Werkzeughandelsplattform von Project A erreichte drei Jahre nach Gründung einen Umsatz von 20 Millionen Euro und wurde gerade an die Hoffmann SE für 130 Millionen Euro verkauft. Technik als USP, leane Produktentwicklung (d.h. testen neuer Geschäftsfelder am Markt über kleine Schnellboote etc.) und das Wissen um Marketing-Metriken, wie man ein solches Baby online 2017 großzieht, sind Attribute, die Project A und Collins am besten charakterisieren.

Mythos 2: Standardsoftware und Microservices schließen einander aus

Bei komplexeren Prozessen stoßen Standardsysteme oft an ihre Grenzen und müssen erweitert werden. Die Erweiterung von Standardsystemen durch Microservices ist besonders spannend. Im Idealfall heißt das, das Beste aus zwei Welten nutzen - Individualität und Wandlungsfähigkeit durch Microservices und Vorfertigungsgrad und dadurch ein schneller time-to-market durch Standard-features und Erweiterungen (Plugins). Einige Hersteller, zum Beispiel commercetools (REWE Group), sehen die Erweiterung des Basisfeature-Sets durch Microservices explizit vor. Meine Erwartung ist, dass andere Hersteller von Shopsoftware nachziehen werden oder zumindest die Vorteile von Microservices stärker nutzen werden, um ihre Produkte zu optimieren.

Mythos 3: Microservices für Alle

Reine auf Microservices bestehende Systeme richten sich an Unternehmen mit größeren IT-Teams, die agile Arbeitsweise verinnerlicht haben. Die Kombination Standard mit Microservices zu erweitern ist eine interessante Handlungsoption für Mittelständler, die eine komplexere Prozesskette mit ihren Bestellplattformen abdecken möchten. Simple Business-Cases und Kleinstunternehmen sind meist mit Standardsystemen bestens bedient. Ein weiterer spannender Anwendungs-Case ist der schrittweise Abbau von Legacy-Systemen durch Microservices. Gewachsene Systeme können so Schritt für Schritt in Services mit klar abgetrennter Fachlichkeit transformiert werden. So können Wartungsaufwände von Individualsystemen deutlich reduziert werden. Gewachsene sogenannte. Monolithe werden zu skalierbaren wandlungsfähigen Einheiten, die flexibel an neue Technik-Sprünge oder Business-Anforderungen angepasst werden können.

Jan HerrmannJan Herrmann ist Senior E-Commerce Manager bei der Berliner Digitalagentur Neofonie und langjährig im E-Commerce-Umfeld tätig. In unterschiedlichen Positionen und Unternehmen berät und betreut er zahlreiche Kunden bei ihren Digitalisierungsprojekten.

www.neofonie.de
 

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